Die Stille atmen

Zeit, sie verweilt in des Mondes Umarmung,
Tränen, Samen der inneren Erbarmung.

Die Narben des Geistes, Getriebe am Firmament,
erzählen lichte Geschichten von Liebe, die brennt.

Die Blumen der Hoffnung blühen nur im Licht,
bedeckt in den Wäldern, verborgen in Sicht.

In der Tiefe des Seins, wo die Wurzeln sich finden,
erblüht eine Kraft, die die Wunden überwinden.

Erweckt sich das Herz und die Wunden vernarben,
ent-deckt der Gefühlsfluss den heiligen Garten.

So atme die Stille, tanz im Schatten des Zweifels
Trage die Brille im Glanz der Ergebenheiten

Die Winde der Barmherzigkeit flüstern Heilung
Fühl’ in Warmherzigkeit düster die Befreiung

– Kerem Adıgüzel, 05.08.2025

Schimmer

Liebe Seel, das Licht ist nicht gleich und beständig
Versuche, keine Muster zu wollen, versuch’!
Suche, nicht dich kennenzulernen auswendig,
das stete Licht ist wie Buchstaben eines Buchs.

Flackere, scheine und wimmre, liebe Seele,
ackere, reise im Freudenschimmer des Leidens.
Neue Horizonten werden sich nun zeigen,
aufglimmen lasse das Liebe-volle der Seel’

Erzähle deine Geschichte mit allen Worten
Egal, ob fremd oder von hiesigen Orten.
Eröffne neue Welten mit den Buchstaben
Ergreif’, ängstlich und mutig, Gut oder Haben

Schenke allen einen Schimmer voller Farben
Lebe bewusst und voll, zeige deine Narben
Tun musst du nichts, sei – einfach – in all deiner Pracht
Sag Adieu zu Kontrolle und sinnloser Macht

Sing, Seele, sing und erlebe diese Schöpfung
Tanz, wie auch immer im Glanz des Hoffnungsschimmers
Gönne es dir in Speis und Trank und Entblössung
Verlier’ und find’ dich zugleich in dem Nirgendimmer

Schlendere durch die Nirgends-Gasse, wie Momo
Überrasch’ dich aufs Neue im Jetzt mit «Soso?!»
Sei, und es sei auch, statt stets etwas zu werden.
Um zu leben, darfst du sterben vor dem Sterben.

Schimmre in Hoffnung, göttlicher Hoffnungsschimmer!

31. August 2024

Die Bedeutung des Herzens

Ohne Herz sieht man und erkennt doch nichts,
hört man und versteht doch nichts,
isst man und schmeckt doch nichts
( Chinesisches Sprichwort)

Was ist das Herz? Was meinen wir, wenn wir vom HERZ sprechen?

Anatomisch gesehen ist das Herz ein Körperorgan, ein großer Muskel, der einer Pumpe gleicht, der das Blut durch unseren Körper pumpt, unseren Blutkreislauf aufrechterhält und somit unseren Körper über das Blut mit den lebensnotwendigen Nährstoffen und mit Sauerstoff versorgt. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, sterben wir.

Wenn wir vom Herz sprechen, meinen wir aber meist noch viel mehr, als nur das Körperorgan. So verwenden wir das Herz nicht nur als Symbol für das Leben, sondern auch für die Liebe und die Güte. Dies spiegelt sich auch in vielen Redewendungen wider. So spricht man zum Beispiel von der `Herzensgüte‘, oder dass jemand „sein Herz auf dem rechten Fleck hat“. Man liebt jemanden „von ganzem Herzen“ und manch einer kann einem regelrecht „ans Herz wachsen“. Wenn man traurig ist, ist es gut wenn man „jemanden sein Herz ausschütten“ kann und manchmal kann es gut auch sein „seinem Herzen Luft zu machen“. Hin und wieder „fällt einem ein Stein vom Herzen“, dann „wird einem leicht ums Herz“. Und es gibt Situationen, da muss man einfach „sein Herz in die Hand nehmen“ oder „sich ein Herz fassen“ und handeln, auch wenn man das Gefühl hat „das Herz rutscht einem in die Hose“ oder „das Herz schlägt bis zum Hals“. Immer wieder passieren leider auch Dinge, die einem regelrecht „das Herz zerreißen“ und manches oder manch einer kann einen „mitten ins Herz treffen“. Es gibt Menschen die haben „ein Herz aus Gold“, wieder andere haben scheinbar ein „Herz aus Stein“.
Aus all diesen Redewendungen wird ersichtlich, dass das Herz auch mit Gefühl verbunden wird. Scheinbar scheinen im Herzen alle Gefühle zusammenzulaufen.

Ich möchte aber hier auch noch einmal auf die eingangs zitierte chinesische Weisheit zurückkommen. Dort wird noch etwas anderes angesprochen, nämlich das Verstehen und Erkennen. Ein Verstehen außerhalb des Verstandes, das Verstehen des Herzens. Es gibt Dinge, die können nur mit dem Herzen gesehen oder erkannt werden. Auch in den Schriften können wir lesen, dass Gott uns unser Herz verständig machen, aber genauso auch verhüllen oder verhärten kann und wir somit vieles nicht mehr erkennen können. Dann sehen wir ohne zu erkennen, hören wir ohne zu verstehen und essen wir ohne zu schmecken.

Es geht nun aber nicht um „Kopf gegen Herz“. Ich denke Weisheit entsteht aus einer guten Mischung von beidem, dann wenn unser Verstand und das Verstehen des Herzens zusammenklingen.

 

Das Streicheln der Seele

Siehst du nicht, wie Gott das Gleichnis vom guten Wort anführt? Er vergleicht das gute Wort mit einem guten Baum, dessen Wurzeln fest in der Erde liegen und dessen Äste hoch in den Himmel ragen. Er trägt seine Früchte mit Gottes Erlaubnis zur bestimmten Zeit. Gott führt Gleichnisse für die Menschen an, damit sie sich Gedanken machen. Ein schlechtes Wort aber ist wie ein schlechter Baum, der aus der Erde entwurzelt ist und keine Festigkeit hat.
(Koran 14:24-26)

Frieden,

Unsere Koranlesung in Zürich bereitet allen Beteiligten große Freude (so haben wir letzten Sonntag deshalb eine extra Lesung gemacht) und es ist immer sehr erfrischend, da viele Themen besprochen werden und bemerkt wird, wie tief die Verse des Koran doch gehen. Dabei kam zum Beispiel auch zur Sprache, dass der Koran offen mit der Sexualität umgeht und von uns will, Weiterlesen

BITTE und DANKE

Diese beiden Worte sind sehr wichtig für eine gute Kommunikation. Sie drücken Wertschätzung aus und gestalten unseren Alltag und den Umgang miteinander freundlicher. Viele mögen sie als reine Höflichkeitsfloskeln ansehen, aber ein ehrliches „Bitte“ und „Danke“, kann viel Positives bewirken – auch bei uns selbst.

Wer bin ich?

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

~ Dietrich Bonhoeffer ~

Dieses Gedicht hatte Dietrich Bonhoeffer im 2. Weltkrieg, Juli 1944, während seiner Haft in einem Gefängnis in Berlin verfasst. Ich denke wir alle haben uns während unseres Lebens auch schon ein- oder mehrmals die Frage gestellt, wer wir wirklich sind.
Wer bin ich? Bin ich so, wie andere in mir sehen oder bin ich doch ganz anders?
Passt das, was ich nach außen hin darstelle wirklich zu dem, was in mir ist?
Gibt es überhaupt eine eindeutige Antwort auf die Frage, oder ist es vielmehr so, dass ich beides bin – so wie andere mich sehen und so wie ich mich sehe? Oder keines von beiden?
Können wir uns eigentlich wirklich selbst durchschauen?

Wer bin ich? – Diese Frage stellen wir uns wahrscheinlich am häufigsten in Krisenzeiten, wenn plötzlich alles anders ist, als zuvor oder geplant. Wir verlieren vielleicht unser Selbstvertrauen, beginnen an uns zu zweifeln und hinterfragen uns selbst. Häufig entdecken wir in solchen Zeiten Seiten an uns, die uns seither verborgen waren. Das können sowohl Stärken als auch Schwächen sein.

Sind wir so, wie andere uns sehen? – Es kommt sicher auch darauf an, wie gut uns die anderen kennen. Enge Freunde wissen eher, wie wir wirklich sind, als solche Menschen, die uns nur flüchtig kennen. Manchmal wissen sie  sogar besser als wir selbst, wer wir sind und was was in uns ist. Natürlich kann es auch sein, das sie ihre eigenen Gedanken in uns hineinlegen.

Vielleicht werden wir selbst nie wirklich genau wissen, wer wir sind, aber vielleicht müssen wir es auch nicht. Bonhoeffer schreibt am zum Schluss:

„Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Gott weiß wer wir sind. Wo ich auch bin und was ich auch sage , denke oder mache, Gott kennt mich. Er weiß wer oder was ich bin. Er sieht in mein Innerstes, Ihm bleibt nichts verborgen. Auf Gott können wir vertrauen.

Toleranz

Frieden sei mit euch, liebe Freunde!

Erst gestern hatten wir über das „Öffnen der Augen“ geschrieben. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo wir unsere Augen noch verschlossen haben. So kann es zum Beispiel sein, dass wir vorgefertigte Meinungen über das Militär haben. Die Reaktionen, die Worte oder das Verhalten der Mitmenschen auf solch eine Art und Weise verstehen, so dass wir auf sie ähnlich reagieren wie im eigenen familiären Umfeld. Oder aber, dass wir in der Auseinandersetzung mit anderen Weltbildern „vor eine Wand“ treten. Etwa wenn man als traditionell eingestellter Muslim mit einem Atheisten zu tun hat. Das sind alles Beispiele, wo wir in uns fühlen können, dass wir uns verschließen.

Ein Auszug aus Michael Schmidt-Salomons Buch „Manifest des evolutionären Humanismus“ zusammen mit weiteren Gedanken soll in diesem Sinne ein Beispiel sein, das ich so Gott will in ein paar Tagen kommentiere. Die Gedanken im Text sind wahrhaftig ein guter Spiegel dafür, sofern man selbst tief verwurzelte Überzeugungen im Glauben hat, wie schwer es manchmal ist sich einem andersartigen Blickwinkel zu öffnen. Die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen, um die eigenen Augen ein Stück weit öffnen zu lassen.

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